Presse  

Pressestimmen:

Die intensive kammermusikalische Betätigung hat den Musikern die Erfahrung und Gelassenheit gegeben, eine unaufgeregte, fesselnde Interpretation zu gestalten.

— Journale Pizzicato Luxembourg

Ausschließlich Mozart – wie schön und erhellend
(…) Ein Vergnügen also, dem so kompetenten wie prominenten Künstler-Duo bei spielerisch turbulenten, dennoch immer „singenden“ Allegrosätzen zu lauschen, deren Einfallsreichtum und Verarbeitungskünste zu bewundern und sich von der satztechnischen und emotionalen Verdichtung in den langsamen Tempi (Sonaten, Variationen und besonders KV 402) gefangen nehmen zu lassen.

— Ekkehard Ochs, Ostsee-Zeitung

Mozarts Violinsonaten endlich ernst genommen
Über manche Werke des Genies schweigt die Gemeinde. Sie seien doch harmlos, Gebrauchsmusiken, eher nebenbei komponiert und sozusagen der Kitt im Palast unserer Erinnerung. Bei Wolfgang Amadeus Mozart kommen solche Gedanken automatisch auf, wenn von den Missae breves gesprochen wird, die er für Salzburg komponierte. Auch die Klaviersonaten, meinte jedenfalls der Pianist Glenn Gould, seien keine sonderlichen Meisterwerke. Auch die frühen Sinfonien gelten als Etüden, als Gehversuche in einem neuen Gebiet, in dem er erst später die absolute Vervollkommnung erreichen sollte.

Auch die Violinsonaten werden im Konzert kaum je gespielt. Geiger beschweren sich heimlich, dass sie gar nicht so viel zu tun hätten. Es seien Sonaten für Klavier und Violine, und zwar genau in dieser Reihenfolge der Wertigkeit und nicht andersherum. Häufig muss die Geige unauffällige Begleitfiguren exekutieren, während das Klavier obendrüber seine Melodien spinnt. Anne Sophie Mutter hat diese Sonaten mal aufgenommen, aber durch Aufnahmetechnik und zu großen Ton in ihr Gegenteil verkehrt – und der Pianist verkam zum Pudel.
Die herrliche Neuaufnahme von vier Sonaten (KV 306, 376, 378 und 406) sowie der sechs Variationen über „Hélas, jài perdu mon amant“ mit dem Geiger Ulf Schneider und dem Pianisten Stephan Imorde, die beim WDR in Köln entstand, bezaubert durch das kollegiale Einvernehmen zweier hochrangiger Musiker, durch ein tiefes Verständnis von Mozarts Plänen.

Im Booklet berichten beide Künstler, sie hätten diese Musik als Mozarts „Spielwiese“ begriffen – und genau das hört man hier auch. Beschwingt. Zauberhaft. Beseelt.

— Wolfram Goertz, Rheinische Post (19.07.2017)

Der Abend der beredten Stille
Lesung/Kammerkonzert: Fritzi Haberlandt und das Duo Imorde/Schneider im Aschaffenburger Stadttheater

Aschaffenburg Sonntag, 05.03.2017 – 19:55 Uhr. Warum soll­te man ei­nem Men­schen zu­hö­ren, der ei­nen Text vor­liest? Kann man doch selbst – so­gar ziem­lich ge­müt­lich auf der Couch fläz­end mit dem Buch in der Hand, wäh­rend­des­sen bei ei­ner Le­sung an ei­nem öf­f­ent­li­chen Ort doch im­mer an­de­re Zu­hö­rer stö­rend wir­ken kön­nen und man selbst sich nicht so le­ger ge­ben kann wie mit ei­nem Glas Wein (Bier, Tee …) da­heim im Wohn­zim­mer.
Genau. Man liest – und bestimmt selbst den Rhythmus und die eigene Konzentration (und den Zeitpunkt des Wegdösens).

Wenn aber – zum Beispiel am Freitagabend im Aschaffenburger Stadttheater – die Schauspielerin Fritzi Haberlandt liest und die Musiker Ulf Schneider (Violine) und Stephan Imorde (Klavier) die Erzählung mit klug gewählten Stücken lautmalen: Dann bereiten die Rezitatorin und die Musiker den Boden für eine blühende Fantasie. Denn was bringt der nächste Satz, wie wird die Geschichte weitergehen, welche Richtung der Handlung weist die Lautstärke oder das Schweigen der Musik? Und wie sehr schaffen es die auf der Bühne, bei jenen im Publikum in deren Gedanken Bilder, ja Gemälde und gar eigene Welten erstehen zu lassen?

Wort und Musik verbinden
Aschaffenburg Sonntag, 05.03.2017 – Imorde/Schneider verbinden seit langem Wort und Musik in eigenen Programmen, die kleine und für einen 90-minütigen Lese-Abend taugende Erzählung »Das Lied der triumphierenden Liebe« des russischen Schriftstellers Iwan Turgenjew (1818 bis 1883) haben sie als geeigneten Stoff für die Bühne entdeckt und mit wie für diese Geschichte gedachten Kompositionen von Gabriel Fauré (1845 bis 1924), Turgenjews große und unerfüllte Liebe Pauline Viardot-Garcia (1821 bis 1910), Paul Viardot (1857 bis 1941) und Ernest Chausson (1855 bis 1899) durchwirkt. Chausson hat 1896 sein »Pòeme Es-Dur op.25 für Violine und Klavier« sogar eigens für diese Erzählung komponiert. Des Duos Interpretationen wirken wie schwerelos schwebende Fantasien über dem von der Schauspielerin genau und betont gelesenen Text über die leidvolle Lust der Liebe.

Ulf Schneider und Stephan Imorde dokumentieren in Aschaffenburg eine schlafwandlerische Sicherheit, »Das Lied der triumphierenden Liebe« bringen sie auf der Bühne und im Studio mit Gudrun Landgrebe und Martina Gedeck – und mit Fritzi Haberlandt, mit ihr an diesem Abend aber erstmals seit drei Jahren wieder. Dennoch beweisen sich die Drei als stillschweigend harmonisierendes Team, nicht zuletzt durch das Kammerkonzert/Lesung »Ach, ich habe meinen Liebsten verloren…- Das Tagebuch der Constanze Mozart« zu Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, das Imorde/Schneider mit Haberlandt ebenfalls im Stadttheater – im Oktober 2014 – inszenierten.
Haberlandt und Imorde/Schneider versagen sich die bei diesem Text mögliche dramatische Überhöhung. Ihre Darstellung ist eher die der beredten Stille, die wahre Liebe inne ist. Das ist in der schreienden Zeit der in sozialen Netzwerken und in Medien herausgestoßenen Slogans bemerkenswert.

Wozu ein Mikrofon?
Und es fällt umso mehr auf, als sich ausgerechnet das für die mit empfindsamen Gefühl vortragende Rezitatorin bereitgestellte Mikrofon als überflüssig und unnütz erweist. Fritzi Haberlands natürliche Stimme statt deren elektronisch erzeugte Verstärkung zu hören, erwiese sich bei dieser Lesung nicht lediglich als Perfektion des Augenblicks, sondern vor allem als endgültiger Beweis für die Einfühlsamkeit der Mittlerin zwischen Erzählung und Publikum in den Geist dieser Geschichte.

Als Kinder haben wir das erfahren und uns darin geborgen, wenn uns – abends im Bett, bevor die Träume mit ihren Unwägbarkeiten kommen – nahe Menschen einen mit ihrer vertraut erscheinenden Stimme in sagenhafte Welten geführt und sicher durch alle dort auftauchenden Fährnisse geleitet haben.

Mit Bedacht führen
Eben das ist der wahre Wert von Lesungen: nicht das Ende der Geschichte vor Augen zu haben, sondern jeden folgenden Satz als kleine Entdeckung auf der Reise durch ein unbekanntes Land zu erleben. Dazu braucht es keine lauten Worte, keine Gestik und keine Erklärung: Dazu bedarf es lediglich der Anmut, mit der Haberlandt und Imorde/Schneider uns mit Bedacht führen.

— Stefan Reis, Main-Echo (05.03.2017)